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Bio-Plastiktüten

Wie sieht es heute tatsächlich aus mit den „BIO-Plastiktüten“?

Neben dem Primärkunststoff und dem recycelten Kunststoff sind als drittes bereits verschiedene sogenannte Bio-Kunststoffe im Markt angekommen. Die wenigsten Bio-Kunststofftaschen sind nach der Entsorgung tatsächlich umweltfreundlicher als herkömmliche Folienkunststoff-Taschen.

Faktisch zerfällt in der Entsorgungspraxis in Europa kaum eine der „Biokunststofftaschen“ hinterher unter Umwelteinflüssen von selbst oder wird kompostiert.

Der allergrößte Teil der sogenannten„Bio-Kunststofftaschen“ im Markt wird derzeit ohnehin nur zu einem meist sehr geringen Prozentsatz aus angebauten, nachwachsenden Pflanzenbestandteilen gefertigt.
Der allergrößte Bestandteil in diesem Folienmaterial ist weiterhin, trotz aller Gute-Laune-Propaganda, Plastik aus raffiniertem Erdöl.
Der „Biokunststoff“ aus brasilianischem Zuckerrohr oder gentechnisch modifiziertem Mais (Import aus USA nach Europa als Kunststoff zulässig aber nicht als Mais!) wird in der Regel sehr ähnlich raffiniert wie das Erdöl, wenn es zum Kunststoff gemacht wird. Aus dem Zuckerrohr entsteht somit tatsächlich wieder kein anderer Plastik als aus dem Erdöl: somit bleibt auch das Produkt daraus das gleiche: die gleiche Standardplastiktüte, die die gleichen Eigenschaften diesmal aus Zuckerrohr gewinnt wie sonst aus raffiniertem Erdöl. Sie ist also auch genauso wenig biologisch abbaubar!

Anstatt einer echten biologischen Abbaubarkeit kann und wird ein chemischer Zusatz in die Folie eingefügt, der die Tasche zu kleineren und kleinsten Partikeln zerfallen lässt. Diese Partikel können später teilweise als Mikroplastik im Staub in der Umwelt verbleiben. Wohl kaum können Mikropartikel aus Plastik im Staub und in der Atemluft für Menschen und Tiere gesund sein.

Für „Bio-Werbung“ um die Tüte reicht es leider oft zudem schon, dass ein kleiner Teil des Kunststoffs der Tasche aus Mais oder Zuckerrohr oder einem sonstigen nachwachsenden Rohstoff raffiniert wurde. Bio hat hier keine strenge Begrifflichkeit wie in der Lebensmittelbranche!

Geschätzt werden kann, dass nachwachsende Rohstoffe mit genutzt werden und neue Wege weg vom Erdöl beschritten werden.
Falsch bleibt aber der Eindruck, der vorgegaukelt wird: denn diese Taschen sind nicht bis ins Kleinste biologisch abbaubar oder kompostierbar, sondern in der Regel, wenn Kompostierbarkeit versprochen wird, mit extra Chemie versehen, die die Tasche eines Teils in kleinste Reste an Plastik-Partikel zersetzt, dass die Partikel nicht mehr auffallen. Der restliche Teil zerfällt in Kohlendioxid und Wasser.

Der Teil der Tasche, der wirklich chemisch zerfällt, zerfällt also in Wasser und Kohlendioxid. Der Ausstoß von Kohlendioxid wird wesentlich für den Treibhauseffekt und Klimawandel verantwortlich gemacht. Wasser ist kein besonderer Kompost! Was also im Kompost verbleibt ist außer dem Wasser biologisch nicht besonders hilfreich!

Uns erscheint nach Stand der Technik ein Recycling von Standardkunststoffen nach wie vor der heute am besten zu vertretende Weg zu sein. Biokunststoffe sollten nur versuchsweise einzusetzen sein. Leider sind uns keine vertretbaren Studien darüber bekannt, was aus der Katalysatoren-Chemie in den „Biokunststofftaschen“ hinterher verstreut in der Umwelt als Kompost wird.

Zu unterscheiden sind also zwei Themen: 1.) das Vorher vor der Tasche: die Eigenschaften und die Folgen der nachwachsenden Rohstoffe, 2.) das Nachher nach der Tasche: die biologische Abbaubarkeit.

Biologische Abbaubarkeit steht also auf einem ganz anderen Blatt.
Faktisch landen die „biologischen abbaubaren Plastiktüten in Europa derzeit zu 98% in gar keinen Kompostierungsanlagen sondern Allergrößtenteils im Verbrennungsofen. Wenn sie dennoch in einer Kompostierungsanlage gelandet sind, müssen sie im Kompost wieder sehr aufwändig heraus gefischt werden.

Leider macht man sich als kleiner oder großer Verbraucher hier eigentlich nur abstrakte Gedanken über eine theoretische biologische Abbaubarkeit, die faktisch wegen mehreren Faktoren heute nach unserem Wissen gänzlich nicht stattfindet und am Ende so oder so auch zu nicht gewünschten Effekten führt.

Grund dafür ist, dass selbst die echten, tatsächlich zerfallenden Plastiktüten für die heutigen Verhältnisse zu lange in der Kompostierungsanlage verweilen müssten, um biologisch abgebaut zu werden oder um wenigstens zu zerfallen. Das heißt, der Takt der Verweildauer in den Kompostierungsanlagen ist in der Praxis leider kürzer getaktet als es die echten biologisch abbaubaren Plastiktüten an Zeitspanne brauchen würden, um sich zu zerlegen oder zu verwandeln, zu schweigen von dem Zerfalls-Chemie-Zusatz in den Pseudo-Bio-Plastiktüten.
Grundsätzlicher und viel störender ist aber: in aller Regel sind die vermeintlichen Biotaschen eben von vornherein erst gar keine echten, 100% biologisch abbaubaren Taschen sondern nur reguläre Plastiktüten mit einem Anteil Plastik raffiniert aus nachwachsenden Rohstoffen.

Wie soll erstens der Verbraucher die echten von den falschen unterscheiden, wenn er für sein gutes Gewissen die Biotonne wählt? Wie soll das zweitens in der Sortierung unterschieden werden? Siehe: http://www.ortenberg.net/

Beide Fragen sind ungelöst.
Siehe: http://www.duh.de/.

Das Auftreten der echten, 100% biologisch abbaubaren Tasche liegt obendrein derzeit noch im Promillebereich im Vergleich zu den „gefakten BIO-Plastiktüten“ mit und ohne chemischen Zusatz.

Zwischenergebnis: Eigentlich ist durch die Marktschwemme der Pseudo-BIO-Plastiktüten zurzeit jeder Weg für die Abbaubarkeit einer echten, biologisch abbaubaren BIO-Plastiktüte in der Praxis noch organisatorisch wie verfahrenstechnisch versperrt. Eine Vermarktung von BIO-Plastiktüten erscheint daher nur sehr bedingt sinnvoll und vertretbar.
Durch die in Bezug auf die Plastiktüte bisher nicht gegebene Unterscheidbarkeit von echtem BIO und falschen BIO wird der good will in Umweltangelegenheiten in der Bevölkerung, beim Verbraucher und bei den Entsorgern systematisch zerstört.
Der gewollte Zerfall von Plastik in der Umwelt in kleinste Partikel und auch Kohlendioxid muss durch den entstehenden Plastikstaub langfristig eine höhere Umwelt- und Gesundheitsbelastung auslösen als das Recycling von Rohöl basierten Plastiktüten. Vor allem ist auch der Rohstoff Kunststoff damit vernichtet.
Die Folgen von Plastikstaub werden in der Debatte um Bioplastik und seinem Zerfall vernachlässigt. Die Folgen aus einem wild verteilten chemischen Zerfalls-Zusatz in dem sogenannten BIO-Kunststoff werden ebenfalls vernachlässigt.

Ich bestelle die „BIO Kunststofftaschen“ trotzdem. Zerfällt mir
die echte BIO-Kunststofftasche nicht viel zu schnell?

Die Haltbarkeit sowohl der sogenannten und auch der echten Bio-Taschen ist vor und während ihrem Einsatz ähnlich gut wie bei der Standard PE- oder PP-Folie. Allerdings muss die ohnehin schon nicht günstige Folie etwas stärker im Durchmesser gewählt werden, um gleiche Eigenschaften z.B. in der Reißfestigkeit zu gewährleisten.
Die echten „Bio-Taschen“ sind nach unserer Erfahrung heute also noch nicht ganz so strapazierfähig in der Anwendung und können trocken 1 bis 2 Jahre vor Verwendung gelagert werden – länger nicht. Sie sollen ja auch keine 1.000 Jahre halten!
Am besten, Sie bestellen stets eine Jahresmenge, nicht mehr.
Aber: Bio-Folientaschen lassen sich auf gleiche Weise bedrucken und handhaben. Wenn Sie eine echte BIO Kunststofftasche bestellen wollen, lassen Sie sich bitte von uns beraten.

Sind ausgerechnet Standard-Plastiktüten umweltfreundlicher
als BIO-Plastiktüten?

Wenn herkömmliche Standard-Plastiktüten über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne entsorgt werden, wird die rein Erdöl basierte Standard-Tragetasche aus PE oder PP nach ihrem Einsatz problemlos und mit geringem Energieaufwand recycelt werden und die allgemeine Qualität des Recycling Materials hoch halten. Sie geht also in den in Europa längst eingefahrenen Kunststoffkreislauf aus Recyclingmaterial ein. Sie wird als wiedergewonnenes Plastik intensiv im Markt nachgefragt werden und für vielerlei Produkte benötigt. Die sogenannten BIO-Plastiktüten mit ihren Zerfalls-Zusatzstoffen gefährden das Kunststoffrecycling und die Nachhaltigkeit des Recycling Kreislaufs, die auf Sortentrennung beruht.

Mischen sich vor dem Recycling biologisch abbaubare Kunststoffe und Rohöl basierte Kunststoffe, mindert das die Qualität und Berechenbarkeit des nachher im Recycling erzielten Kunststoffes. Landen also BIO Plastiktüten im Recycling zerstört das die Nachhaltigkeit im Ergebnis der so erzielten RE-Kunststoffe.

Wir müssen verstehen, dass herkömmliches Plastik ein begehrter und wichtiger Rohstoff in der technisierten Welt ist. Plastik ist ein Erzeugnis, dass nicht einfach abgebaut oder zum Verschwinden gebracht gehört - sondern immer wieder verwendet bei möglichst bleibender Qualität.

Wir empfehlen heute und mittelfristig daher unseren Kunden als Einkäufern nach wie vor normales Plastik aus Primärmaterial oder Recycling zu wählen, ohne falsches BIO und ohne neue Zusatzstoffe, und das Recycling nach Kräften zu unterstützen.

Plastiktüten, die weder in der Gelben Tonne noch im Gelben Sack sondern im Hausmüll landen, spenden in der Müllverbrennungsanlage Energie oder Wärme. Sie verbrennen ungiftig und mit geringem CO2-Ausstoß.

(Dieses Statement ist nach besten Wissen und Gewissen abgefasst, 2013.05.07. Sollten wir unter den vielen Entwicklungen im Markt wie auch in der Technologie etwas übersehen haben, so bitten wir, das zu entschuldigen.

Dieser Text wurde ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit abgefasst, da die Produkte wie auch der Entsorgungssektor sich ständig weiter entwickeln. Wenn Sie für uns wiederum weiterführende Informationen haben, bitten wir Sie, uns zu unterrichten. Wir sind für Neues stets offen, lernbegierig und nicht dogmatisch!)